Perspektiven auf Reichtum: Die (Re-)Produktion von Reichtum

Fachgebiet: Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften (Federführung), Kooperation mit Natur-, Lebens-, Daten- und Technikwissenschaften möglich
Förderart: (1) internationale Kooperationsprojekte; (2) nationale Kooperationsprojekte; (3) (inter-)nationale Sommerschulen
(1) bis zu 1,5 Million Euro (+ Vorbereitungsmittel); (2) bis zu 800.000 Euro; (3) bis zu 80.000 Euro
Projektlaufzeit für (1) und (2) bis zu 4 Jahre, für (3) bis zu 12 Monate
(Inter-)nationale Forschungsgruppen, inter- und transdisziplinäre Teams möglich
Zusatzleistungen: Zusätzliche Mittel für die Aufbereitung von Forschungsdaten (Data Reuse); Förderung von Wissenschaftsvermittlung und Wissenschaftskommunikation

keine aktuelle Ausschreibung

Male figure sitting on a coin with "Panama" print
Die sog. Panama-Papers haben 2016 Debatten über Steuermoral und Steueroasen ausgelöst. (Illustration: Comugnero Silvana via stock.adobe.com)

Ziele der Initiative

Extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverhältnisse sind eine wiederkehrende Ursache für Konflikte und ein anhaltendes Hindernis für menschliche Entwicklung. Die wissenschaftliche Erforschung des Phänomens Reichtum ist daher ein zentrales Element zum Verständnis gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Mit der Förderinitiative "Perspektiven auf Reichtum" möchte die VolkswagenStiftung einen Perspektivwechsel initiieren von der Armutsforschung auf Facetten des Phänomens Reichtum. 

Schätzungen zufolge verfügen etwa die 2.000 reichsten Menschen des Globus über mehr finanzielles Kapital als 60 Prozent der Weltbevölkerung (4,77 Mrd. Menschen). Diese ungleiche Verteilung hat viele unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen. Sie ist u.a. begründet in lokalen, nationalen und globalen (Macht-)Strukturen und offenbart sich beim Zugang zu Basisgütern, zum Arbeitsmarkt, den Wohnverhältnissen, den Chancen der gesellschaftlichen Teilhabe oder der sozialen Verwundbarkeit. Im Zuge der Covid-19-Pandemie hat die Reichtumskonzentration weiter drastisch zugenommen. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt auch eine Absage an das Gleichheitsversprechen demokratischer Gesellschaften und damit eine potentielle Gefahr für deren Stabilität. Gleichzeitig können Gesellschaften auch vom Reichtum ihrer Mitglieder profitieren, wenn individueller Reichtum auf die Gemeinschaft verteilt wird. Auch verfügen Vermögende über Ressourcen, um Investitionen zu tätigen, die sich wiederum in Beschäftigung und Prosperität umschlagen können. Um die Vielschichtigkeit des sozialen Phänomens zu erfassen, ist ein differenzierter Blick auf Reichtum erforderlich.  

In der ersten Ausschreibung zum Thema richtet sich der Fokus auf die Genese von Reichtum. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Transformationsprozesse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und der jeweils bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse zielt die Ausschreibung darauf ab, konzeptionelle, methodische und empirische Erkenntnisse zum Thema "(Re-)Produktion von Reichtum" zu generieren. 

Förderangebot

Die erste Ausschreibung "(Re-)Produktion von Reichtum" im Rahmen der Förderinitiative umfasst drei Förderlinien: 

1. Internationale Kooperationsprojekte
In der ersten Förderlinie können Kooperationsprojekte beantragt werden, in denen Forschende von deutschen Universitäten oder Forschungseinrichtungen mit internationalen Partner:innen gleichberechtigt zusammenarbeiten, um empirische Erkenntnisse über die (Re-)Produktion und Genese von Reichtum in globaler Perspektive zu generieren und einen zielgruppenspezifischen Transfer zu initiieren. Es sind sowohl Untersuchungen auf der Mikro- als auch auf der Makroebene möglich. Die Konsortien sollen dabei aus Teams von min. 3 bis max. 5 Forschungsleitenden (PIs) bestehen. Hauptantragstellende müssen an einer Einrichtung in Deutschland beschäftigt sein. Die Einbindung von mindestens zwei internationalen Partner:innen, vorzugsweise mit Sitz im Globalen Süden (Low and Middle Income Countries, gemäß Weltbank Klassifizierung), ist verpflichtend. Darüber hinaus ist die Integration gesellschaftlicher Akteure (NGOs etc.) sehr wünschenswert.

2. Nationale Kooperationsprojekte
In der zweiten Förderlinie können nationale Kooperationsprojekte beantragt werden, mit max. 3 Hauptantragsteller:innen von mindestens zwei unterschiedlichen deutschen Universitäten oder Forschungseinrichtungen. Wissenschaftler:innen aus den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sollen in eng interagierenden Teams Erkenntnisse über die (Re-)Produktion und Genese von Reichtum erarbeiten. Der Fokus soll dabei auf der Entwicklung neuer theoretischer und methodischer Konzepte zur Erforschung von Reichtum und der Kommunikation dieser Ergebnisse liegen. Die Einbindung von Partner:innen aus den Natur-, Lebens-, Daten- und Technikwissenschaften ist möglich.

3. (Inter-)Nationale Sommerschulen
Neben den Ausschreibungen für Kooperationsprojekte können in einer dritten Förderlinie nationale und internationale Sommerschulen gefördert werden. Hierdurch sollen Nachwuchswissenschaftler:innen (insb. Doktorand:innen, aber auch Post-Docs) neue theoretische und/oder methodische Perspektiven der Reichtumsforschung vermittelt werden. Die jeweiligen Hauptantragsteller:innen müssen an einer deutschen Universität oder Forschungseinrichtung angesiedelt sein. Die Einbeziehung von internationalen Partner:innen ist möglich. Die Sommerschule kann weltweit – auch digital – stattfinden.

Weitere Informationen zu den Ausschreibungsbedingungen sowie zur Antragstellung finden sich in den "Informationen zur Antragstellung 124a-c" im Bereich "Was Antragstellende wissen müssen".

Hintergrund

Die Förderinitiative "Perspektiven auf Reichtum" wurde Ende 2021 eingerichtet und ist Teil des Profilbereichs "Gesellschaftliche Transformationen". In diesem Profilbereich fördert die VolkswagenStiftung Forschung, die sich mit vielfältigen Aspekten von Transformationsprozessen auseinandersetzt. Sie ermutigt zu grenzüberschreitenden und multiperspektivischen Ansätzen und will neue Wege zur Mitgestaltung gesellschaftlicher Transformationen eröffnen.